Halluzinationen und wahnhafte Störungen gehören zu den schwersten Langzeitkomplikationen des Morbus Parkinson. Ihre Therapie fußt auf der Erfassung und Behandlung akuter Auslöser, der Vereinfachung der Parkinson-Medikation, dem Absetzen potenziell Psychose-auslösender Medikamente und der Einstellung auf atypische Antipsychotika. Quetiapin ist in Europa das am häufigsten eingesetzte Medikament in der Therapie der Parkinson-Psychose. Obwohl randomisierte klinische Studien die Wirksamkeit von Quetiapin in der Therapie der Parkinson-Psychose nicht belegen konnten, wird Quetiapin von der Movement Disorder Society als möglicherweise wirksam in dieser Indikation eingestuft. In den USA ist der inverse Serotonin 2A-Rezeptor Agonist Pimavanserin das einzige zugelassene Medikament für die Therapie der Parkinson-Psychose. Die Substanz ist in Europa allerdings nicht verfügbar. Clozapin ist das wirksamste Medikament in der Therapie der Parkinson-Psychose, wird aber aus Sorge vor Nebenwirkungen viel zu selten und häufig zu spät eingesetzt. Andere Antipsychotika sind bei der Parkinson-Psychose unwirksam oder führen zu intolerablen Nebenwirkungen und sollten daher beim Morbus Parkinson keinesfalls eingesetzt werden

In einer 2025 im Fachjournal Parkinson’s Disease publizierten retrospektiven Studie hat Walter Pirker, Klinik Ottakring, den praktischen Einsatz und die Langzeitwirksamkeit von Clozapin bei schweren Parkinson-Psychosen, die auf Quetiapin nicht oder nur vorübergehend ansprachen, untersucht. Die Studie zeigte sehr gute Wirksamkeit von Clozapin bei psychotischen Parkinson-Patienten, die zuvor schlecht auf Quetiapin angesprochen hatten. Patienten mit schweren Psychosen benötigen jedoch im Einzelfall Dosierungen, die über jene, die in den Placebo-kontrollierten Clozapin-Studien verwendet wurden, hinausgehen.

Empfehlungen zur Behandlung der Parkinson-Psychose fokussieren im Augenblick stark auf Pimavanserin, das aber außerhalb der USA nicht verfügbar ist.  Ein Europäisches Expertengremium unter Führung von Walter Pirker erstellte daher einen Literaturüberblick zur Symptomatik und Behandlung der Parkinson-Psychose und erarbeitete detaillierte Therapieempfehlungen für den Europäischen Raum und andere Regionen außerhalb der USA, der unlängst in der Fachzeitschrift Lancet Regional Health Europe publiziert wurde. Die Rolle von Quetiapin als Erstlinientherapie für leichte und mittelschwere Parkinson-Psychosen wird bekräftigt. Bei auf Quetiapin schlecht ansprechenden und bei schweren Parkinson-Psychosen stellt jedoch Clozapin das Mittel der Wahl dar. Die aktuelle Therapieempfehlung streicht heraus, dass die Sorge vor Blutbildveränderungen unter Clozapin in der Vergangenheit tendenziell überbewertet, das Management anderer möglicher Clozapin-Nebenwirkungen aber vernachlässigt wurde. In der aktuellen Arbeit wird auch auf die große Rolle nicht-medikamentöser Therapien und der ärztlichen Betreuung im Management von Parkinson-Psychosen eingegangen. Zukunftsperspektiven sind die Entwicklung neuer Medikamente mit besserem Risiko-Nutzen-Profil, die systematische wissenschaftliche Untersuchung nicht-medikamentöser Therapiemaßnahmen bei Parkinson-Psychose und die Entwicklung umfassenender Betreuungsprogramme für Parkinson-Patienten mit kognitivem Abbau und psychotischen Symptomen.

Pirker W, Ferreira JJ, Rascol O, Poewe W. Management of Parkinson’s disease psychosis-a European perspective. Lancet Reg Health Eur 2026 Jan 5;62:101569. doi: 10.1016/j.lanepe.2025.101569.

Pirker W. Clozapine for Quetiapine-Refractory Psychosis in Parkinson’s Disease: A Long-Term Single-Center Retrospective Study. Parkinsons Dis 2025 Mar 10;2025:1068722. doi: 10.1155/padi/1068722.